Hybrides Lernen: In 5 Schritten zum Corona-konformen Unterricht

Die aktuelle Pandemie bringt Herausforderungen in vielen Bereichen des öffentlichen und privaten Lebens mit sich. So auch in den Schulen. Innerhalb kürzester Zeit wird von Schulen verlangt, ihr gesamtes Konzept umzukrempeln. Dabei will die Umstellung von Präsenzunterricht auf digitale Formen – sei es im Distanzunterricht oder als hybrides Lernen – wohlüberlegt sein. Wir zeigen Ihnen anhand von fünf Schritten, was Sie bei der Planung von digitalen Lehr- und Lernformaten beachten müssen.

1. Schließen Sie Ihre Schule ans Internet an

Ohne Internet ist digitales Lernen nicht möglich. Daher sind entsprechende Anschlüsse in der Schule eine Grundvoraussetzung. Wählen Sie am besten einen Glasfaseranschluss. Optimal ist hier eine Datenübertragungsgeschwindigkeit von mindestens 200 Mbit/s im Up- und Download. Damit sind Sie für die hohen Auslastungen bei hybriden Lernformaten und auch zukünftige Vorhaben optimal vorbereitet.

Bevor Sie Ihre Schule ans Internet anschließen, sollten Sie vor Ort eine WLAN-Ausleuchtung unter Realbedingungen vornehmen. So kann geklärt werden, wo beispielsweise Access Points gesetzt werden müssen. Überlegen Sie sich am besten bereits im Vorfeld, in welchen Räumen WLAN benötigt wird und wo welche Präsentationstechnik eingesetzt werden soll (siehe 2. Pädagogisches Konzept). Wenn möglich, sollte die Verbindung allerdings per LAN erfolgen, da hier die Datenübertragungsgeschwindigkeit höher ist.

2. Entwickeln Sie ein umfassendes pädagogisches Konzept für hybrides Lernen

Person entwickelt Konzept zu Hybrides Lernen mit Papier und StiftHardware und Technik sollte nicht nur um der Technik Willen eingesetzt werden. Sie muss Teil eines durchdachten pädagogischen Konzepts sein. Das Konzept dient als Dreh- und Angelpunkt Ihrer Digitalisierungsstrategie. Auch für die Beantragung von Fördermitteln benötigen Sie oftmals ein derartiges Konzept.

Für das pädagogische Konzept sollten Sie zunächst die spezifische Ausgangslage an Ihrer Schule reflektieren. Wie viel Personal und welche technischen Ressourcen sowie Tools stehen zur Verfügung? Welche Kompetenzen sind bei Lehrkräften und Eltern vorhanden? Auch die häusliche Lernumgebung der Schüler*innen sollten Sie mit einbeziehen. Wie sind Schüler*innen erreichbar? Haben Sie ruhige Arbeitsplätze? Welche technischen Voraussetzungen sind gegeben? Liegen datenschutzrechtliche Einwilligungen vor? Darauf basierend entwickeln Sie das Konzept.

Auch die Medienkompetenzförderung von Schüler*innen wie Lehrkräften kann Teil eines derartigen Konzeptes sein. Vom Land NRW gibt es hierfür beispielsweise den Medienpass. Auch Schulungen für Lehrkräfte sind ein wichtiger Teil der Vorbereitung und kontinuierlichen Verbesserung eines Digitalisierungskonzepts.

Auf Grundlage des Konzeptes wird über den Einsatz verschiedener Hard- und Software entschieden. Die IT-Ausstattung kann dabei helfen, die Schüler*innen in den Fokus des Unterrichts zu rücken und vor allem heterogene und inklusive Lerngruppen zu unterstützen. Doch dafür muss die Technik richtig ausgewählt und eingesetzt werden.

3. Wählen Sie die zu Ihnen passende Hard- und Software

Um Hardware sinnvoll auszuwählen sowie zu beschaffen, ist ein gutes Zusammenspiel von Schule, Schulträger und externen Dienstleistern maßgeblich. Schule und Schulträger sollten das gemeinsam entwickelte Medienkonzept als Grundlage für die Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern nutzen.

Gerade bei Hardware fällt die Auswahl oft schwer. Im Sinne der Nachhaltigkeit ist es sinnvoller, einmal mehr Geld zu investieren und im Gegenzug langlebige Geräte zur Verfügung zu haben. Ideal ist eine Lebensdauer von mindestens fünf Jahren. Gerade bei hohen Bestellmengen sind häufig Kosteneinsparungen möglich.

Damit alle Schüler*innen am Distanzunterricht teilnehmen können, sollten Sie darauf achten, dass Sie genügend mobile Geräte zur Verfügung haben. Richten Sie Poolgeräte ein, um Defekte und soziale Härten abzufangen. Nur so können ist eine aktive Teilnahme aller Schüler*innen möglich.

Die Software – ebenso wie die Hardware – wird auf Grundlage ihres pädagogischen Konzeptes ausgewählt. Gerade im Distanzunterricht ist es wichtig, eine gute Mischung aus synchroner und asynchroner Kommunikation zu finden. Beide Kommunikationsformate sollten auch bei der Auswahl der Software bedacht werden. Gerade Videokonferenzlösungen eignen sich für viele Zwecke. Ob digitaler Unterricht, persönliche Beratung oder virtuelle Kaffeepause für die Lehrkräfte – für digitale Lehr- und Lernangebote sind derartige Plattformen mittlerweile unverzichtbar.

4. IT-Sicherheit: Schützen Sie sich vor Angriffen

Ein Schloss verschließt einen Zaun und steht symbolisch für die IT-Sicherheit bei dem Konzept Hybrides LernenBei dem Einsatz von Technik muss auch die IT-Sicherheit mitgedacht werden. Machen Sie sich weder von extern noch von intern angreifbar und schützen Sie Ihre Daten! Das gelingt nur mit der geeigneten Infrastruktur und einem umfassenden Sicherheitskonzept.

Damit Schüler*innen keinen Zugriff auf interne Daten erhalten, ist es beispielsweise wichtig, dass Sie verschiedene Netze einrichten. Unterscheiden Sie hier zwischen Verwaltungs- und pädagogischem Netz. Diese Netze sollten Sie konsequent trennen. Dies ist über Netzwerkkomponenten, Anmeldeprozeduren sowie Zugriffseinschränkungen möglich.

Zum Schutz vor Viren und anderer Schadware ist eine am Internetzugangsrouter verortete Firewall unverzichtbar. Eine Antivirensoftware gehört ebenfalls zur Mindestausstattung. Zusätzlich sind Content-Filtersysteme empfehlenswert, damit die Schüler*innen nicht auf alle Websites zugreifen können. Gerade für das Distanzlernen sind VPN-Clients sinnvoll, um einen sicheren Zugriff auf Daten zu ermöglichen.

Lassen Sie keine Sicherheitslücken aufkommen! Dafür sollten Sie Ihre Software durch Updates und Patches aktuell halten. Diese können beispielsweise zentral verteilt werden. Hier bietet es sich an, Verantwortlichkeiten klar zu definieren.

Sie möchten die IT-Security an Ihrer Schule verbessern, wissen aber nicht, wo Sie anfangen sollen? Wir zeigen Ihnen einfache Maßnahmen, wie Sie Ihre Schule schützen können!

5. Hybrides Lernen: Bedenken Sie den Datenschutz

Im Eifer des Gefechts wird der Datenschutz oft nicht als erstes bedacht. Aber gerade die personenbezogenen Daten von Kindern sind sensibel und sollten daher mit Bedacht behandelt werden. Bei der Nutzung von Videokonferenzplattformen oder anderen Anwendungen ist es daher essentiell, dass Sie sich das Einverständnis der Eltern bzw. bei Volljährigkeit das Einverständnis der Schüler*innen einholen. Ansonsten ist die Nutzung derartiger Plattformen und Tools nicht datenschutzkonform.

Vor allem bei der Nutzung von Clouddiensten sollten Sie darauf achten, dass die Daten nicht auf internationalen, sondern europäischen Servern gespeichert werden. Informieren Sie sich über die einzelnen Anbieter, bevor Sie sich für eine Lösung entscheiden.

Der Weg zum digitalen Unterricht ist zwar nicht immer einfach, aber er ist machbar. Und notwendig. Doch Sie stehen nicht alleine da. Holen Sie sich Hilfe! Auch nach der Coronapandemie werden Sie von der Digitalisierung Ihrer Schule profitieren – wenn sie nachhaltig ist.

Quellen

Medienberatung NRW (2016): „Lernförderliche IT-Ausstattung für Schulen. Orientierungshilfe für Schulträger und Schulen in NRW“, Dezember 2016, https://www.medienberatung.schulministerium.nrw.de/Medienberatung-NRW/Publikationen/Orientierungshilfe_es_neu.pdf, letzter Zugriff am 11. Januar 2021.

Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen (2020): „Handreichung zur lernförderlichen Verknüpfung von Präsenz- und Distanzunterricht“, https://xn--broschren-v9a.nrw/fileadmin/Handreichung_zur_lernfoerderlichen_Verknuepfung/pdf/Handreichung-Distanzunterricht.pdf, letzter Zugriff am 11. Januar 2021.